Die Geschichte der Pfarrkirche Lautlingen
Zwar
kann man die Existenz einer Pfarrgemeinde in Lautlingen erst seit
1275 geschichtlich nachweisen, doch muss schon vorher hier eine
Christengemeinschaft gewohnt haben. Durch das beim Schulhausbau
gefundene Goldblattkreuz aus dem 8. Jahrhundert wird diese Vermutung
belegt.
Ab dem
späten 13. Jahrhundert ist ständig ein Pfarrer nachweisbar und seit
dem 14. Jh. wird der Kirchenheilige St. Johannes bezeugt.
Der
Vorgängerbau unserer heutigen Kirche wurde im Jahre 1670 durch den
Ortsherrn Wolf-Friedrich Schenk von Stauffenberg erbaut. Für einen
Turm jedoch reichten auch seine Mittel nicht aus.
Erst
1725 ließen seine Söhne, darunter Fürstbischof Johann Franz von
Konstanz und Augsburg, den heute noch erhaltenen, schönen Barockturm
vom aus dem Vorarlberger Land stammenden Baumeister Anton Liebhardt
erbauen. Die damalige Kirche war für heutige Verhältnisse sehr klein
und stand auf der Ostseite des Turmes, dort wo sich heute der untere
Teil des Friedhofes befindet. Bei einer Länge von knapp 17 m und
einer Breite von etwa 10 m handelte es sich nach heutigen Maßstäben
lediglich um eine kleine Dorfkirche.
Dieses
Dorfkirchlein aus der Barockzeit wurde bei einem großen Erdbeben am
16. November 1911 so schwer beschädigt, dass eine Renovation
unrentabel war.
Unter
größten finanziellen Schwierigkeiten wurde in den Jahren 1912/13
eine neue und größere Kirche gebaut, der Turm aber blieb erhalten.
Bei der
heutigen St. Johannes-Kirche handelt es sich zugleich um den ersten
sakralen Eisenbetonbau der Diözese Rottenburg. Der damalige Pfarrer
Albert Pfeffer, ein unermüdlicher und sachverständiger Kunstforscher
und Heimatkundler sowie der Vorsitzende des Diözesankunstvereins,
war an der Ausstattung der Kirche maßgeblich beteiligt. Mit seinem
Kunstgefühl stattete er die neue Pfarrkirche mit Gegenständen aus
der alten Kirche und teilweise aus der Umgegend angekauften Statuen
aus.
Nach
verschiedenen Renovationen, die mit viel Gefühl ausgeführt wurden,
zeigt sich die St. Johannes-Kirche heute als ein heller Hallenbau
der dem Barock nachempfunden wurde. Trotzdem wurde aber bei der
Farbgebung bewusst bei der Farbe Gold gespart um die Schlichtheit
des Raumes zu betonen.
Chronik der Schwesternstation
zusammengestellt von Pfarrer
Johannes Linner:
06.10.1896: Die ersten 2 Schwestern kommen nach
Lautlingen. Sie wurden mit „großen Ehrenerweisen" empfangen. Die
Geistlichkeit der umliegenden Gemeinden, Lehrer, Schulkinder und die
ganze Gemeinde holten sie am Bahnhof ab und begleiteten sie zuerst
in die Pfarrkirche, wo eine Dankandacht gehalten wurde. Über dem Tor
zum Schloss war ein „Triumphbogen" angebracht. Die Inschrift
lautete: „Gruß den Engeln der Barmherzigkeit". Sie werden im Schloss
untergebracht. Die Wohnverhältnisse sind zunächst sehr bescheiden: 2
Zimmer und Küche nur mit dem Allernötigsten ausgestattet. Später,
als es 3 und dann 4 Schwestern sind, bekommen sie weitere Zimmer.
Die gräfliche Familie wohnt zu der Zeit in Stuttgart, wo Graf von
Stauffenberg Hofmarschall ist. Zur der Zeit ist Pfarrer Berg
(zugleich Dekan) in Lautlingen.
07.10.1896:
Der
Kranken-Dienst beginnt gleich am nächsten Tag. Sie betreuen Kranke
im Bezirk Balingen: in Lautlingen und Margrethausen, in Ebingen,
Balingen und Geislingen. Es gibt einen katholischen
Krankenpflegeverein Balingen (noch keine Sozialstation!).
Die
Mitglieder zahlen einen sehr kleinen Beitrag. Für die einzelnen
Dienste bezahlen die Kranken nichts, weil die Leute in Lautlingen
und Margrethausen zu der „ärmeren Klasse" gehören. Das ist den
Schwestern „angenehm", weil sie so zu mehr Kranken kommen können,
als wenn diese etwas bezahlen müssten. Die Schwestern pflegen den
ganzen Tag. Jede 2. Nacht halten sie außerdem Nachtwache. Auf
evangelischer Seite wirken die Diakonissen. Bis auf Ausnahmen von
der Regel werden die katholischen und evangelischen Kranken getrennt
betreut. Für den Unterhalt bekommen die Schwestern vom
Bezirkswohltätigkeitsverein 1 Mark pro Tag und pro Schwester. Die
Leute tragen durch Lebensmittelspenden zum Unterhalt bei
14.10.1896: Pfarrer Karl
Stehle kommt nach Lautlingen.
12./16.01.1897: Die 3. und 4.
Schwester kommt nach Lautlingen
22.04.1897: Wird von
Lautlingen aus eine Nebenstation mit 2 Schwestern in
Geislingen bei Balingen errichtet.
Die
Schwestern kümmern sich auch um die Jungfrauen (Mädchen) am Ort. Am
Sonntagnachmittag, sowie am Mittwoch und Samstagabend von 19.00 Uhr
bis 21.30 Uhr geben sie Nähstunden.
01.11.1900: Die
Schwestern müssen auch die „Industrieschule" mit 50 „Strick-Kindern"
übernehmen.
04.09.1905: Als die
gräfliche Familie im Begriff ist, von Stuttgart zurückzukehren und
das Schloss wieder selbst zu bewohnen, wird mit dem Bau des
Schwesternhauses begonnen. Pfarrer Stehle setzt dafür seine eigenen
Mittel ein. Er möchte das Haus als späteren Ruhesitz haben. Der
Bau ist umstritten. Kurz nachdem die Fenster eingesetzt sind, werden
in einer Nacht sehr viel Scheiben eingeschlagen.
Mai 1906: Die
Schwestern ziehen in das neue Haus, müssen aber vorläufig auf der
Bühne schlafen, wo es im Winter sehr kalt ist.
19.06.1906: Die gräfliche
Familie wohnt wieder im Schloss.
03.07.1906: Königin
Charlotte kommt auf Besuch nach Lautlingen. Sie besucht auch das
Schwesternhaus und zollt ihm hohe Anerkennung.
1909: Die
Schwestern bereiten eine Schar von „Jungfrauen" für die Aufnahme in
die Marianische Kongregation vor. Die Theaterbühne im Schwesternhaus
wird entsprechend hergerichtet, dass die Mädchen dort auch Theater
spielen können.
16.11.1911: Das Erdbeben
verursacht am Schwesternhaus viele Risse, die Reparatur kostet 2.000
Mark.
27.05.1927:
Schwester
Jovilla kommt als 65. Schwester nach Lautlingen. Schwester Jovilla
betreut die Kranken, leitet den Kindergarten, der im Saal des
Schwesternhauses untergebracht ist und in dem bis zu 90 Kinder
versammelt sind. Sie gibt Näh- und Kochkurse. Sie versieht den
Mesnerdienst und schmückt die Kirche.
1936:
Schwester
Jovilla leitet vorübergehend den Kindergarten in Margrethausen.
1965:
Das
Schwesternhaus wird umgebaut. Mit dem Bau des neuen Kindergartens
wird begonnen.
23. 07. 1966:
Pfarrer Stoll
weiht den neuen Kindergarten ein.
06.02.1969:
Schwester
Eduarda kommt zunächst nach Ebingen.
17.11.1969:
Schwester
Eduarda kommt als 89. Schwester nach Lautlingen. Anlass ist der Tod
von Schwester Engelburga und die Auflösung der Schwesternstation in
Ebingen aufgrund von „Nachwuchssorgen".
23.11.1969: Schwester
Raimonda kommt als 90. Schwester nach Lautlingen. Schwester Eduarda
und Schwester Dietlinde helfen auch in der Seelsorge in St. Hedwig
mit.
28.01.1975:
Schwester
Dietlinde kommt als 94. Schwester nach Lautlingen. Sie leitet den
Kindergarten.
1977:
Schwester
Jovilla wird 80 Jahre alt. Zugleich feiert sie das 50-jährige
Jubiläum ihres Dienstes in Lautlingen und das 40-jährige Jubiläum
ihres Mesnerdienstes. Ihr wird die Martinus-Medaille der Diözese
Rottenburg -Stuttgart verliehen.
1977:
Das
Schwesternhaus wird zum 2. Mal grundlegend renoviert. Die
Verunstaltungen der 1. Renovation werden so weit als möglich wieder
rückgängig gemacht.
01.10.1977:
Der
Bezirks-Krankenpflegeverein wird aufgelöst. Die kath. Sozialstation
St. Vinzenz wird gegründet. Die Trägerschaft hat die kath.
Kirchengemeinde St. Hedwig in Ebingen. Die Leitung übernimmt
Schwester Eduarda.
1980:
Schwester
Jovilla wird die Ehrenbürger-Medaille der Stadt Albstadt verliehen.
Im
Schwesternhaus wird eine zum Saal gehörige Küche eingebaut. Das
Verbandszimmer wird dafür aufgelöst.
1996:
Schwester
Dietlinde scheidet aus dem aktiven Dienst im Kindergarten und geht
in den Ruhestand. Sie hilft verstärkt in der Seelsorge der
Kirchengemeinde Lautlingen mit.
Insgesamt
(die Praktikantinnen eingeschlossen) waren es 106 Schwestern, die in
Lautlingen gewohnt haben und hier und in der Umgebung tätig waren.
04.02.2001:
Ein
Abschiedsgottesdienst für die Schwestern wird gefeiert. Nach 105
Jahren sind Schwester Dietlinde (69), Schwester Eduarda (66) und
Schwester Raimonda (64) die letzten Vinzentinerinnen die in
Lautlingen sind. Aufgrund von mangelndem Nachwuchs wird die
Schwesternstation zum 28. Februar aufgelöst.
|